Neues Logo für potsdamomente

Lange Zeit habt ihr hier ein Logo gesehen, das auf den ersten Blick an eine Fraktur-Schrift erinnerte. Es handelte sich um den Google Font Almendra Display, eine auffällige Schriftart, sehr eigen, kalligrafisch, etwas gotisch.

Erlebt und erkannt

Dann sind mir in den letzten Tagen drei wichtige Dinge passiert:

  1. Ich habe mit jemandem über politische Haltung gesprochen, der meinte, mein Blog würde diese nicht so widerspiegeln, dass dies für mich negativ ausgelegt werden könne. Das stimmt vielleicht, aber ich dachte sofort, dass sich das ändern sollte.
  2. Ich las einen Tweet, in dem hinterfragt wurde, warum man Fraktur und ähnliche Schriftarten, die man unweigerlich mit dem Dritten Reich in Verbindung bringt, verwendet werden. Und ich konnte es nachfühlen.
  3. Ich habe erkannt, dass es notwendig ist, für das einzustehen, was mir persönlich wichtig ist. Es gibt Menschen, die eine Lobby brauchen.

Was änderte sich und warum?

Dringend musste ich das Logo ändern. Ich möchte euch kurz sagen, was dahinter steckt und warum die drei Ereignisse ganz viel mit dem Aussehen des Logos zu tun haben.

Meine Gedanken zum Logo-Design

Die Schriftart

Ihr müsst wissen, dass ich eine unglaublich große Leidenschaft für Schriftarten hege. Wie lieb sind mir die kalligrafischen Schriften, die handgezeichnet und irregulär aussehen…

Der alte Schriftzug hatte so etwas Besonderes. Nicht ganz so verschnörkelt und hübsch, eher eigen, genau, ordentlich und trotzdem nicht so ganz regulär. Gotisch. An Fraktur erinnernd (siehe 2.).

Ich möchte keinesfalls mit Nazis assoziiert werden. Somit fiel es mir nicht schwerer als nötig, mich von dem Schriftzug zu trennen.

Die neue Schriftart suchte ich aus, indem ich schaute, welche Google Fonts besonders oft genutzt werden. Eigentlich erscheint das nicht gerade individuell und so ganz und gar nicht kreativ. Aber darum ging es mir nicht mehr.

Ich nahm an, dass eine beliebte Schriftart sicherlich auch zu denen gehören würde, die möglichst viele Menschen gut lesen können. Was meint ihr, trifft diese Annahme zu?

Der Farbverlauf

Falls ihr mich bisher ganz gut ertragen konntet, kommt nun der Punkt, an dem ihr tief durchatmen müsst: Ich bin ziemlich sicher, dass es richtig ist, intersektionalen Feminismus zu unterstützen, Genderrollen infrage zu stellen und wirklich daran zu arbeiten, nicht mehr zu marginalisieren.

Ich habe schon sehr intelligente, offene Menschen getroffen, die mit dieser Einstellung haderten oder nichts anzufangen wussten. Als Mutter von zwei Töchtern habe ich es aber als wichtig empfunden, mehr zu hinterfragen (das Patriarchat vor allem!). So bin ich zu dieser Einstellung gelangt.

Der Farbverlauf wird sich immer mal wieder ändern. Jetzt, zu Beginn, möchte ich ihn allen trans Personen widmen. Das hängt sehr mit Ereignis unter Punkt 3. zusammen.

Das Zitat

Unter dem Schriftzug “potsdamomente” lest ihr

Where focus goes, energy flows.

Zitat von Milton H. Erickson

Hier muss ich beichten, dass ich Pinterest ziemlich toll finde und dort immer sehr schnell Zitate finde, die mir zusagen. So ist es auch bei diesem geschehen.

Fokus ist das Thema beim Fotografieren und ich dachte auch gleich daran, wie viel Energie mich einer Sache widmen kann, über die ich sowieso ständig nachdenke. Fokus finden hat etwas Beruhigendes für mich und bringt mich in den Flow.

Um jedoch ganz sicherzugehen, dass ich keinen Nazi zitiere, ergoogelte ich den Ursprung des Zitates. Herr Milton wird kontrovers diskutiert und es könnte sein, dass fragwürdige Menschen ihn ebenfalls zitieren. Eventuell ist das also nicht die endgültige Fassung meines Logos.

Und nun?

Vielleicht kommt alles anders oder es bleibt, wie es ist. Wahrscheinlicher ist jedoch die erste Variante. Ich lerne ja noch. Und gerade deshalb fiel es mir bisher sehr schwer, meine (politische) Meinung offen zu vertreten. Ich wollte einfach nicht riskieren, etwas Falsches zu sagen.

Derjenige, mit dem ich mich unterhielt (siehe Punkt 1.), wies mich darauf hin, dass jede*r eine Haltung hätte und im Inneren wisse, was richtig wäre.

So ist es auch, ich weiß es. Nazis sind scheiße, Abelism ist furchtbar und Genderrollen sind ein soziokulturelles Konstrukt, das vielen Menschen schadet. So, jetzt habe ich es geschrieben. Und nun? 🙂

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